Eisblau Magazin
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Annehmen statt Widerstand
Lesedauer: ca. 2 min

Annehmen statt Widerstand
Warum Veränderung immer mit Realität beginnt
Liebe Leser*innen,
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändern sich aktuell in einem Tempo, das viele Unternehmen herausfordert. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Fachkräftemangel, geopolitische Unsicherheiten und steigender Wettbewerbsdruck zwingen Organisationen dazu, Gewohntes zu hinterfragen und neue Wege zu gehen.
Doch die größte Herausforderung liegt oft nicht in der Veränderung selbst, sondern im Umgang mit ihr.
In Veränderungsprozessen erleben wir immer wieder, dass Menschen und Organisationen zunächst versuchen, die neue Realität abzuwehren. Sie hoffen auf die Rückkehr alter Marktbedingungen, warten auf bessere Zeiten oder halten an vertrauten Strukturen fest.
Dabei beginnt erfolgreiche Veränderung mit einer Fähigkeit, die häufig unterschätzt wird: dem Annehmen.
Annehmen wird oft mit Akzeptieren verwechselt.
Akzeptieren bedeutet häufig:
„Ich finde die Situation nicht gut, aber ich muss wohl damit leben.”
Annehmen geht einen entscheidenden Schritt weiter:
„Die Situation ist jetzt so, wie sie ist. Ich richte meine Energie nicht auf den Widerstand, sondern auf die Gestaltung der Zukunft.”
Das mag wie ein kleiner sprachlicher Unterschied wirken, hat jedoch enorme Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit von Menschen und Organisationen.
Der Psychologe Richard Lazarus konnte bereits in seinen Forschungen zum Stressmanagement zeigen, dass Menschen deutlich belastbarer werden, wenn sie Situationen zunächst realistisch anerkennen, bevor sie nach Lösungen suchen. Ähnliche Erkenntnisse liefert die moderne Resilienzforschung: Wer Realität anerkennt, gewinnt schneller wieder Handlungsfähigkeit.
Auch Studien des Beratungsunternehmens McKinsey zeigen, dass erfolgreiche Transformationen dort häufiger gelingen, wo Führungskräfte Unsicherheit offen ansprechen, Veränderungen nachvollziehbar machen und die neue Realität klar benennen. Veränderung scheitert selten an Strategien. Sie scheitert häufig daran, dass Menschen innerlich noch gegen die Realität kämpfen.
Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ist dies eine zentrale Führungsaufgabe. Mitarbeitende brauchen keine Beschönigungen. Sie brauchen Orientierung. Führung bedeutet dann, die Situation klar zu benennen und gleichzeitig Zuversicht zu vermitteln:
„Ja, die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Ja, die Herausforderungen sind real. Und genau deshalb richten wir unseren Blick nach vorne.”
Erst wenn wir aufhören, Energie in den Widerstand gegen das Unveränderbare zu investieren, entsteht Raum für Kreativität, Innovation und Gestaltung.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht:
„Warum passiert uns das?”
Sondern:
„Was machen wir jetzt daraus?”
Impuls für die Praxis
Frage Dich gemeinsam mit Deinem Team:
Welche Entwicklungen bekämpfen wir aktuell noch?
Welche Realität sollten wir stärker annehmen?
Welche neuen Möglichkeiten entstehen, wenn wir unseren Fokus von der Vergangenheit auf die Zukunft richten?
Denn Zukunft entsteht selten durch das Festhalten am Alten – sondern durch den mutigen Umgang mit dem, was bereits Realität geworden ist.
Frank Kittel
Geschäftsführer Eisberg-Seminare GmbH
Über den Author

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