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Warum gute Führung Machtbewusstsein braucht!
Lesedauer: ca. 3 min

Was Macht macht
Warum gute Führung Machtbewusstsein braucht!
Liebe Leser*innen,
Im Führungskräftetraining stelle ich oft eine einfache Frage:
„Wer von Ihnen würde sagen, dass er oder sie ein Machtmotiv hat?“
Dann wird es meist still.
Kaum jemand meldet sich freiwillig. Denn Macht hat im beruflichen Kontext oft ein negatives Image. Viele verbinden damit Dominanz, Ego oder Manipulation.
Dabei gehört Macht untrennbar zu Führung.
Wer führt, gestaltet Entscheidungen, beeinflusst Dynamiken und prägt Kultur. Führung ohne Einfluss gibt es nicht. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Führungskräfte Macht haben, sondern wie bewusst sie damit umgehen.
Warum Macht Menschen verändert
Die Forschung zeigt seit Jahren: Macht beeinflusst unser Denken und Verhalten stärker, als vielen bewusst ist.
Studien der Sozialpsychologin Dacher Keltner von der University of California zeigen beispielsweise, dass Menschen unter Machteinfluss häufiger:
– die Perspektive anderer ausblenden,
– Risiken unterschätzen,
– Unterbrechungen im Gespräch verstärken,
– und Signale von Unsicherheit oder Widerstand schlechter wahrnehmen.
Besonders spannend finde ich dabei einen Punkt:
Macht verändert oft schleichend die Selbstwahrnehmung. Führungskräfte erleben sich häufig weiterhin als offen und nahbar — während Mitarbeitende längst vorsichtiger kommunizieren.
Das erklärt auch ein Phänomen, das viele aus Unternehmen kennen:
Je höher die Position, desto weniger ehrliches Feedback kommt an.
Nicht weil Mitarbeitende nichts denken. Sondern weil Macht immer auch Einfluss auf psychologische Sicherheit hat.
Die unterschätzte Gefahr: unbewusste Macht
In Trainings erlebe ich häufig Führungskräfte, die Macht ablehnen — und gerade deshalb ihre Wirkung unterschätzen.
Denn wer überzeugt ist, „gar nicht machtorientiert“ zu sein, reflektiert oft weniger:
– Wie stark die eigene Meinung Räume dominiert,
– wie sehr Körpersprache Wirkung erzeugt,
– oder wie schnell kleine Bemerkungen Orientierung und Unsicherheit auslösen.
Macht wirkt nicht erst in großen Entscheidungen. Sie wirkt im Alltag:
– Wer bekommt Aufmerksamkeit?
– Wer wird unterbrochen?
– Wessen Fehler bleiben sichtbar?
– Wer traut sich noch zu widersprechen?
Deshalb braucht moderne Führung nicht weniger Macht, sondern mehr Bewusstsein für Wirkung.
Drei Praxistipps für einen gesunden Umgang mit Macht
1. Aktiv Widerspruch organisieren
Je höher die Führungsrolle, desto unwahrscheinlicher wird spontaner Widerspruch.
Deshalb sollten Führungskräfte ihn aktiv einladen:
– „Was übersehe ich gerade?“
– „Wer sieht das anders?“
– „Welche Risiken sprechen gegen meine Idee?“
Nicht die Harmonie ist ein Zeichen guter Führung, sondern die Qualität des offenen Dialogs.
2. Die eigene Wirkung regelmäßig prüfen
Viele Führungskräfte bewerten ihre Wirkung nach ihrer Absicht. Mitarbeitende erleben jedoch die tatsächliche Wirkung.
Hilfreich sind Fragen wie:
Wirke ich zugänglich?
– Können Mitarbeitende schlechte Nachrichten offen ansprechen?
– Entsteht eher Sicherheit oder Anpassung?
– Kurze Feedbackschleifen helfen oft mehr als große Kulturprogramme.
3. Macht als Verantwortung verstehen
Macht ist nicht automatisch negativ. Im Gegenteil:
Gut eingesetzte Macht schafft Orientierung, Klarheit und Sicherheit.
Problematisch wird Macht erst dann, wenn sie unreflektiert bleibt.
Für mich ist deshalb nicht entscheidend, ob jemand ein Machtmotiv hat. Entscheidend ist, ob jemand verantwortungsvoll damit umgehen kann.
Denn gute Führung ist nicht machtfrei. Sie ist machtbewusst.
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