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Sympathie ist kein Führungsinstrument

Lesedauer: ca. 3 min

Führungsinstrument

Warum Sympathie und Antipathie Dich als Führungskraft täuschen können

Liebe Leser*innen,

„Mit ihr arbeite ich einfach gern zusammen.”
“Bei ihm habe ich irgendwie kein gutes Gefühl.”

Kommt Dir das bekannt vor?

Als Führungskraft triffst Du täglich Entscheidungen über Menschen:

Wen förderst Du? Wem vertraust Du? Wem gibst Du spannende Projekte? Wen beurteilst Du kritischer?

Das Problem: Viele dieser Entscheidungen entstehen nicht auf Basis von Fakten, sondern aufgrund von Sympathie oder Antipathie. Unser Gehirn liebt Abkürzungen. Sympathie wirkt wie ein Filter.

Wenn wir jemanden sympathisch finden, interpretieren wir sein Verhalten meist wohlwollend:

● “Er hatte bestimmt nur einen schlechten Tag.”
● “Sie meint das sicher gut.”
● “Das wird schon einen Grund haben.”

Bei Antipathie passiert genau das Gegenteil:

● “Typisch…”
● “Auf den ist einfach kein Verlass.”
● “Die macht das doch absichtlich.”

Obwohl wir glauben, objektiv zu sein, treffen wir häufig Entscheidungen auf Grundlage von Vermutungen statt auf Basis von Beobachtungen.

Das Johari-Fenster zeigt, warum:

Das Johari-Fenster beschreibt, wie Wahrnehmung zwischen Menschen entsteht. Es unterscheidet vier Bereiche:

● Das öffentliche Feld: Das, was Du über Dich weißt und andere ebenfalls sehen.
● Der blinde Fleck: Das, was andere an Dir wahrnehmen, Dir selbst aber nicht bewusst ist.
● Der verborgene Bereich: Das, was Du über Dich weißt, aber nicht zeigst.
● Der unbekannte Bereich: Eigenschaften und Potenziale, die weder Dir noch anderen bekannt sind.

Der entscheidende Punkt für Führungskräfte:

Ein großer Teil dessen, was wir über andere Menschen glauben zu wissen, liegt gar nicht im öffentlichen Bereich. Wir füllen Wissenslücken automatisch mit eigenen Annahmen.
Und genau hier schlägt Sympathie oder Antipathie zu.

Sympathie führt häufig dazu, dass wir die Lücken mit positiven Geschichten füllen.
Antipathie sorgt dafür, dass wir dieselben Lücken mit negativen Interpretationen besetzen.
Die Fakten bleiben identisch, nur unsere Geschichte verändert sich.

Die Folgen im Führungsalltag

Wenn Sympathie die Entscheidungen bestimmt, entstehen schnell ungewollte Ungleichgewichte.
Mögliche Folgen sind:

● Mitarbeitende werden unbewusst bevorzugt.
● Fehler werden unterschiedlich bewertet.
● Leistung wird verzerrt wahrgenommen.
● Talente bleiben unentdeckt.
● Konflikte entstehen durch gefühlte Ungerechtigkeit.
● Das Vertrauen ins Führungsteam nimmt ab.

Besonders gefährlich ist dabei: Die Führungskraft ist meist überzeugt, völlig objektiv gehandelt zu haben.

Gute Führung prüft Annahmen

Professionelle Führung bedeutet nicht, keine Sympathien zu haben. Das wäre unmöglich.
Professionelle Führung bedeutet, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und trotzdem faktenbasiert zu entscheiden.

Frage Dich deshalb regelmäßig:

● Was habe ich tatsächlich beobachtet?
● Welche Fakten sprechen für meine Einschätzung?
● Welche Vermutungen ergänze ich gerade?
● Würde ich dieselbe Situation genauso bewerten, wenn es eine andere Person wäre?

Diese Fragen helfen Dir dabei, den Einfluss Deiner unbewussten Vorannahmen deutlich zu reduzieren.

Mein Impuls für Dich

Menschen beurteilen wir selten so, wie sie sind.

Je unsympathischer uns jemand erscheint, desto negativer werden unsere Interpretationen.
Objektive Führung beginnt deshalb nicht bei den Mitarbeitenden – sondern bei der ehrlichen Reflexion der eigenen Wahrnehmung.

Denn gute Führung entscheidet nicht nach Gefühl. sondern überprüft das Gefühl an den Fakten.

Frank Kittel

Geschäftsführer Eisberg-Seminare GmbH

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